unter Grün

Du „Mensch“ und ich „Pflanz“ sind ein sehr altes Gespann, uns‘re Geschichte schon vor langer Zeit begann.
Damals wurde ich noch der holde Holda-Busch genannt – durch die Gebrüder Grimm daraus ein Märchen entstand.
Denn bei mir wohnt die Holle, die heilende Gerechte. Sie richtet in Märchen das Böse und Ungerechte.

Heute werde ich Schwarzer Holunder benannt – wissenschaftlich als Sambucus nigra bekannt.

Aus der Familie der Moschuskrautgewächse
bin ich wahrlich nicht das Letzte.

Auch bei den alten Kelten galt ich als heiliger „Baum“
und nicht nur weil ich such‘ die Nähe Eures Lebensraums.
Und wollten die Alten was nehmen von mir –
respektvoll, reinen Herzens und ohne Gier,
zogen sie, nicht nur um Unheil zu vermeiden,
erst ihren Hut, um sich vor mir zu verneigen.
Sie nutzten mich noch von Kopf bis Fuß.
Bei der Gelegenheit – schönen Gruß!

Doch jetzt zu Beginn Deiner Wildkräuter-Reise
zeige ich Dir erstmal meine Blüten als Speise.
Der Rest von mir ist zwar nicht lebensgefährlich;
Kenntnis der Zubereitung aber unentbehrlich.

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Und so werden sie gemacht – meine holde Hollerküchlein-Pracht:
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nWas braucht man?

  • 10-12 voll aufgeblühte Holunderblütendolden mit Stiel (an einem sonnigen Vormittag gesammelt)
  • 150 g Mehl
  • 150 ml – vielleicht etwas mehr – (Mineral-)Wasser oder Bier oder Schaumwein oder Wasser-Bier- oder Wasser-Wein-Mix (es kann auch Milch genommen werden – damit der Teig schön aufgeht, 1 TL Backpulver hinzugeben)
  • 2-3 EL Zucker
  • 1 Prise Salz
  • Pflanzenöl/-fett (stark erhitzbares)

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Wie wird es gemacht?

Lege meine Dolden locker auf einem hellen Untergrund aus. So können meine kleinen krabbelnden Mitbewohner, die Du vielleicht versehentlich – trotz inniger Aufmerksamkeit und Konzentration – beim Sammeln mit eingepackt hast, das Weite suchen.
Gebe den Zucker und die Prise Salz in das durchgesiebte (damit es keine Klümpchen gibt) Mehl und vermenge alles gut.
Fülle alle Flüssigkeiten (bis auf das Öl/Fett) in eine Schüssel und gebe das Mehlgemisch langsam unter Rühren – bis ein glatter Teig entsteht – hinzu. Lasse den Teig dann noch einige Zeit ruhen (ca. 30 Minuten).
* Nehme meine Trugdolden (echte Dolden gibt es nur in der Familie der Doldengewächse) am Stiel und tauche sie Kopfüber behutsam in den fertigen Teig. Sollte dieser zu dickflüssig für meine zarten Blüten sein, gebe einfach noch etwas Flüssigkeit hinein. Wenn meine Blüten sehr zusammenfallen, öffne sie einfach ein wenig wieder mit Deinen Händen.
Backe sie nun in Pflanzenöl oder –fett goldgelb in einer Pfanne oder Fritteuse aus.
Sind sie fertig, hebe Sie mit einem Schaumlöffel vorsichtig heraus, lasse überschüssiges Fett auf einem Papierküchentuch abtropfen – fertig.

Optional können auch 1-2 Eier, 1 Prise Zimt und 1 Vanillestange in den Teig gegeben werden.

Hierfür Eigelb und Eiweiß der Eier trennen. Das Mark einer Vanillestange auskratzen und zusammen mit Eigelb, Zucker und einer Prise Salz glattrühren. Die übrigen Flüssigkeiten hinzugeben und weiter rühren. Nun noch das durchgesiebte Mehl langsam hinzugeben und alles verrühren, bis ein homogener Teig entsteht. Das Eiweiß schaumig schlagen und vorsichtig unter den Teig heben. Wird das Eiweiß nicht steif, könnte es zu warm sein. Wird es temperaturunabhängig nicht steif, kann eine Prise Salz beim Aufschlagen helfen. Ist aber etwas Eigelb ins Eiweiß gelangt, hilft leider nix. Weiter geht’s wie weiter oben *.

Zu guter Letzt können meine holden Hollerküchlein noch mit Puderzucker bestreut und mit Schlag-Sahne serviert werden – mmh lecker – GUTEN APPETIT!

Ist noch etwas Teig übrig, können auch Apfelscheiben (ohne Gehäuse) in ihm ausgebacken werden.

Die entmarkte Vanilleschote braucht auch nicht weggeworfen werden. Mit ihr kann man (frau) z.B. Zucker aromatisieren. Einfach die Schote zusammen mit dem Zucker der Wahl in ein sauberes Gläschen geben. Damit Restfeuchtigkeit entweichen kann, dass Glas 3 Tage nur mit einem Papier- oder Stofftuch und einem Gummi abdecken und hin und wieder mal schütteln. Obacht – beim Schütteln die flache Hand auf die Öffnung des Glases legen, damit nichts durch die Küche fliege. Ist alles gut durchgetrocknet, kann das Gläschen mit Deckel luftdicht verschlossen werden.

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ODER wie wär‘s mit einem Hollerschörlchen – ist ganz einfach und schmeckt wunderbar erfrischend.

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Was braucht man?
  • 1L naturtrüber Apfelsaft
  • 3 voll aufgeblühte Holunderblütendolden
  • Ggf. etwas Zitronensaft
  • Bindfaden

Wie wird es gemacht?

Binde meine Holunderblütendolden am Stiel mit einem Faden zu einem Sträußchen zusammen. Lasse ein langes Fadenende (ca. 20 cm). Gebe das Hollersträußchen kopfüber in eine weithalsige Flasche oder Karaffe. Halte das lange Ende des Fadens fest und fülle alles bis zum Rand mit naturtrüben Apfelsaft auf (so kann das Sträußchen nebst Faden nicht in die Flasche rutschen). Ist die Flasche voll, wickel das lange Ende des Fadens einfach um den Flaschenhals. Nach 1-3 Stunden Ziehzeit ist Dein Schörlchen fertig und Du kannst das Sträußchen am langen Faden wieder rausziehen – 1 zu 2 mit Wasser vermischt ein toller Durstlöscher.

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Und noch ein kleines Potpourri am Rand:

Holunderzweige in Hausöffnungen sollen Fliegen fernhalten. Zweige auf den Boden gelegt wollen Schnecken meiden. Durch Holunderblüten auf gelagertem Obst – wird dessen Lagerfähigkeit angehobst. ;-)))

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nFür euch von ©Sabine Walter
Kräuterpädagogin und
Expertin für Phyto- und Aromatherapie ∞

wild@krautkultur.com ∞
www.krautkultur.com

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[Beitragsbilder: © Sabine Walter]

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