Von Beton zu Blattwerk: Bochums erster Tiny Forest ist gepflanzt!

Es war „nass, matschig, großartig“, als Mitte März 2026 in Bochum-Wattenscheid Stadtgeschichte geschrieben wurde. Auf dem Gelände eines ehemaligen städtischen Betriebshofs, das jahrelang brach lag und komplett versiegelt war, entsteht nun ein kleiner Urwald mitten im urbanen Raum: ein „Tiny Forest“.

Gemeinsam für ein grüneres Wattenscheid

Über 200 Menschen – von Schulkindern des Märkischen Gymnasiums und der Gertrudisgrundschule bis hin zu Familien und dem Oberbürgermeister Jörg Lukat – griffen bei Regen und bester Stimmung zum Spaten. Insgesamt wurden rund 5.000 Setzlinge in die Erde gebracht, darunter heimische Arten wie Eichen, Hainbuchen, Esskastanien, Weißdorn und Apfelbäume.
Die Initiative für dieses Projekt ging bereits Anfang 2021 von der Bürgerinitiative „Tiny Forest Friends“ rund um Özlem Agildere aus. Nach fünf Jahren intensiver Planung, Bodenentsiegelung und Finanzierungssuche konnte das rund eine Million Euro teure Projekt, das durch Bundes- und Landesmittel gefördert wurde, nun endlich realisiert werden

Was macht einen „Tiny Forest“ so besonders?

Das Konzept folgt der Methode des japanischen Botanikers Dr. Akira Miyawaki. Das Besondere dabei ist der extrem dichte Pflanzverband: Auf der etwa 1.500 Quadratmeter großen Kernfläche werden etwa drei Bäume pro Quadratmeter gepflanzt. Dieser „Konkurrenzdruck“ sorgt dafür, dass die Bäume deutlich schneller wachsen als in einem herkömmlichen Wald.
Ein solcher Mini-Wald bietet enorme ökologische Vorteile:
  • Kühleffekt: Sobald der Wald ausgewachsen ist, leistet er die Kühlung von etwa zehn Klimaanlagen.
  • CO2-Speicher: Er dient als leistungsstarke Senke für Treibhausgase und absorbiert Feinstaub.
  • Biodiversität: Er schafft wertvollen Lebensraum für Vögel und Insekten.
  • Wasserspeicher: Der lockere Waldboden kann enorme Mengen Regenwasser aufnehmen.

Mehr als nur Bäume: Ein Ort der Begegnung

Der Tiny Forest ist Teil eines insgesamt 6.000 Quadratmeter großen Areals, das zusätzlich eine Streuobstwiese und Sitzmöglichkeiten umfasst. Er soll als „grünes Klassenzimmer“ für Schulen dienen und ein Ort der Ruhe für die Anwohnenden sein. Auch die Forschung kommt nicht zu kurz: Die Hochschule Bochum nutzt eine Teilfläche, um die Auswirkungen von Pflanzenkohle auf das Wachstum zu untersuchen.
Voraussichtlich im Frühsommer 2026 wird das gesamte Gelände offiziell eröffnet. Bis dahin dürfen die jungen Bäume in Ruhe anwachsen, geschützt durch einen Zaun und eine dicke Mulchschicht. Schon nach etwa drei Jahren wird sich das kleine Ökosystem selbst erhalten können.
Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, was durch bürgerschaftliches Engagement und die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung möglich ist, um versiegelte Flächen der Natur zurückzugeben.

 

Wäre das vielleicht auch umsetzbar in Mülheim?


Bildquelle: ©Pixabay

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