Der Klimawandel macht auch vor unseren Gewässern nicht halt: Steigende Wassertemperaturen, Algenblüten und Sauerstoffmangel bedrohen Ökosysteme in Flüssen, Kanälen und Hafenbecken. Doch immer mehr Städte und Initiativen in NRW zeigen, wie man mit schwimmenden Pflanzeninseln gegensteuern kann – und dabei nicht nur das Wasser reinigt, sondern auch neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen schafft. Projekte wie „Rescue the Rhine“ in Düsseldorf oder „Mehr Leben für den Spoykanal“ in Kleve beweisen: Mit einfachen, naturbasierten Lösungen lässt sich die Wasserqualität verbessern, die Artenvielfalt steigern und gleichzeitig das Stadtbild aufwerten.
Düsseldorf: „Rescue the Rhine“ – Wie ein Yachthafen zum Öko-Vorreiter wird
Im MedienHafen Düsseldorf führte die Kombination aus Hitze und Nährstoffbelastung in den letzten Jahren zu massiven Blaualgenblüten – ein Problem, das nicht nur die Wasserqualität verschlechtert, sondern auch für Mensch und Tier gefährlich werden kann. Die Marina Düsseldorf und das Technologieunternehmen Asahi Kasei Europe starteten 2024 daher die Initiative „Rescue the Rhine“.
Das Konzept:
- Schwimmende Modulgärten („Floating Wetlands“) filtern mit speziellen Wasserpflanzen Phosphate, Nitrate und andere Schadstoffe aus dem Wasser.
- Unterwasserbelüfter halten das Wasser in Bewegung und verhindern so die Bildung von Algen.
- Schattenplätze und Lebensraum für Fische, Vögel und Insekten entstehen – selbst in stark genutzten Hafenbecken.
Erfolge nach einem Jahr:
- Zehn große Pflanzeninseln und 25 kleinere Module sind im Einsatz.
- Die Wasserqualität hat sich messbar verbessert, die Algenkonzentration ging zurück.
- Ein mobiler, solarbetriebener Schwimmgarten soll 2026 auch in anderen Häfen zum Einsatz kommen.
Kleve: Ein Jahr „Mehr Leben für den Spoykanal“ – Wie schwimmende Inseln Artenvielfalt zurückbringen
Seit August 2024 bereichern zehn schwimmende Pflanzeninseln den Spoykanal in Kleve. Das Projekt der NABU-Naturschutzstation Niederrhein zeigt, wie selbst kleine Eingriffe große Wirkung entfalten können.
Die Bilanz nach einem Jahr:
- Blütenpracht und Insektenparadies: Pflanzen wie Blutweiderich, Sumpf-Kresse und Wasser-Minze locken Bienen, Schmetterlinge und Libellen an.
- Neuer Lebensraum für Libellen: Über 100 Larvenhäute („Exuvien“) wurden an den Inseln gefunden – ein Zeichen für erfolgreiche Fortpflanzung.
- Artenvielfalt steigt: Von ursprünglich 10 ausgepflanzten Arten haben sich 27 angesiedelt, darunter seltene Sumpf-Pflanzen.
- Lernprozesse: Ein Verbissschutz gegen Bisamratten musste nachgerüstet werden, doch der Pflanzenbestand erholte sich schnell.
Projektleiterin Lena Wiest: „Die Inseln sind eine Notlösung, wo Renaturierung nicht möglich ist. Aber sie zeigen: Mehr Grün in städtischen Gewässern ist machbar – und wirkt!“
Nachhaltige Produktion:
In Kooperation mit der Hochschule Rhein-Waal und dem Green FabLab entstehen weitere Inseln aus regionalem Lerchenholz und Naturfasern. Schüler:innen bauen und bepflanzen die Module selbst – ein Beispiel für Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Warum schwimmende Inseln auch für das Ruhrgebiet eine Chance wären
Die Beispiele aus Düsseldorf und Kleve zeigen: Schwimmende Inseln sind kostengünstig, nachhaltig und wirksam. Sie eignen sich besonders für:
- Industrielle Hafenbecken (z.B. Duisburg, Dortmund)
- Kanäle und stehende Gewässer (z.B. Rhein-Herne-Kanal, Phoenix-See)
- Städtische Flüsse (z.B. Emscher, Ruhr)
Vorteile auf einen Blick:
✅ Wasserreinigung durch natürliche Filterung von Nährstoffen
✅ Artenvielfalt durch neuen Lebensraum für Insekten, Fische und Vögel
✅ Klimaresilienz durch Kühlung und Sauerstoffanreicherung
✅ Bildung und Partizipation durch Projekte mit Schulen und Bürger:innen
Wäre das vielleicht auch etwas für unsere Ruhr?
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