Gewässer im Hitzestress: Warum unsere Fische jetzt Hilfe brauchen

Die anhaltenden sommerlichen Hitzeperioden und der damit verbundene Wassermangel stellen eine extreme Belastung für die Ökosysteme in unseren freien Gewässern und Teichen dar. Während wir die Sonne genießen, kämpfen viele Fischarten unter der Wasseroberfläche ums Überleben.

Das physikalische Problem: Wärme und Sauerstoff

Das Hauptproblem in warmen Sommern ist ein Teufelskreis der Biologie: Je wärmer das Wasser wird, desto weniger Sauerstoff kann es binden. Gleichzeitig sind Fische wechselwarme Tiere, deren Stoffwechsel bei steigenden Temperaturen schneller arbeitet, wodurch sie eigentlich mehr Sauerstoff benötigen würden.
 
Besonders kritisch ist die Lage für Salmoniden wie Forellen oder Äschen. Diese Arten sind an kühles, sauerstoffreiches Wasser angepasst und geraten bereits ab 18 bis 20 Grad unter Stress. Bei Temperaturen über 23 bis 25 Grad drohen Komplettverluste. Aktuelle Messungen am Rhein zeigten bereits Werte von 27 Grad, während kleinere Weiher sich sogar auf über 30 Grad aufheizen können.

Gefahren durch Krankheiten und Algen

Neben dem Sauerstoffmangel begünstigt die Wärme die Ausbreitung von Krankheitserregern und Giftstoffen:
  • Blaualgen (Cyanobakterien): Diese vermehren sich bei hohen Temperaturen und hoher Schadstoffbelastung besonders gut. Wenn sie absterben, entzieht ihr Abbau dem Wasser massiv weiteren Sauerstoff.
  • Infektionen: Der Hitzestress schwächt das Immunsystem der Fische, was sie anfällig für bakterielle Krankheiten wie die Furunkulose oder Parasiten wie die Grieskörnchenkrankheit macht. Auch Kiemeninfektionen nehmen bei hoher Keimbelastung im warmen Wasser zu.

Notfallmaßnahmen in der Region

Wie ernst die Lage ist, zeigen Beispiele aus der Nachbarschaft: Im Dinslakener Rotbachsee mussten in der Vergangenheit bereits tausende verendete Fische entsorgt werden. Um ein Umkippen des Sees zu verhindern, setzt die Feuerwehr dort oft massiv Frischwasser ein oder nutzt Umwälzpumpen, um den Sauerstoffgehalt künstlich zu erhöhen. Auch die Industrie am Rhein steht unter Druck: Ab bestimmten Temperatur-Warnstufen müssen Kraftwerke und Chemiebetriebe ihre Produktion drosseln, um die zusätzliche Erwärmung durch Kühlwasser zu begrenzen.
 

Wichtig: Schutzmaßnahmen für private Teiche

Besitzer von privaten Gartenteichen sollten in diesen Tagen besonders aufmerksam sein, da sich kleine Wassermengen noch schneller erwärmen als große Flüsse. Folgende Maßnahmen können helfen:
 
  1. Vorsichtige Fütterung: Reduzieren Sie die Futtermenge deutlich. Nicht gefressenes Futter zersetzt sich und belastet die Wasserqualität zusätzlich, was den Sauerstoffgehalt weiter sinken lässt.
  2. Schatten schaffen: Eine Abschatten der Wasserfläche, etwa durch Sonnensegel oder Pflanzenbewuchs am Ufer, kann die Temperatur um entscheidende 1 bis 2 Grad senken.
  3. Hygiene gewähren: Achten Sie auf eine saubere Wasserumgebung, um den Keimdruck für die Fische niedrig zu halten.
  4. Sauerstoffzufuhr: Nutzen Sie Wasserspiele oder Belüfter, um den Gasaustausch an der Oberfläche zu fördern.
 
Durch achtsames Handeln und vorausschauende Pflege können wir dazu beitragen, das ökologische Gleichgewicht in unseren heimischen Gewässern auch während extremer Hitzephasen zu bewahren.
Infografik


Bildquelle: ©Pixabay

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