Ein Abschied mit Dankbarkeit – Die Mülheimer Initiative für Klimaschutz verabschiedet sich

Es ist bereits kommuniziert: der Verein Mülheimer Initiative für Klimaschutz e.V. (MIK) löst sich auf. 18 Jahre lang war der Verein eine Säule in den Umweltschutz-Aktivitäten der Stadt. Es waren viele Menschen stark involviert, viele Jahre lang.

Was hat der Verein bewirkt? Eine kleine Übersicht.

Als 24.09.2008 der Verein Mülheimer Initiative für Klimaschutz e.V. (MIK) mit einem Festakt in der Sparkasse Mülheim an der Ruhr gegründet wurde, war das Thema Umweltschutz nicht so bekannt, wie es jetzt ist.

Als eine gemeinnützige Organisation sollte der Verein Bürger:innen informieren und zum Mitmachen motivieren, Projekte starten und bereits engagierten Menschen und Akteuren vernetzen. Es war ein Weg für die Stadtverwaltung, das Herz-Thema der Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld auf die Agenda zu bringen, ohne die sehr belastete Stadtkasse stärker in Anspruch zu nehmen. Eine Bundes-Förderung kam dazu und es wurden starke Partner aus Mülheim als Mitglied gesucht und gefunden. So waren neben der Stadt selbst, wichtige Unternehmen und Vereine von Mülheim von Anfang an dabei: mit der medl GmbH, dem ADAC, der RWW GmbH, der meg GmbH und der Sparkasse Mülheim an der Ruhr, konnten direkt Expert:innen in den verschiedenen Aspekten des Klimaschutzes gewonnen werden. Zahlreiche private Personen wurden Einzel- oder Familiemitglied und damit der dritte-  und genauso wichtige Teil – des Vereins aufgebaut.

Die erste Geschäftsführerin Frau Dr. Susanne Dickel hatte die Möglichkeit in dem Ladenlokal an der Friedrich-Ebert-Straße (aktuell „Makroscope“) sowohl eine Anlaufstelle für Interessierten und Netzwerkpartner:innen bereit zu stellen als auch mit zahlreichen Kooperationen verschiedene Projekte anzubieten. Es wurden zum Beispiel

  • eine zentrale Stelle für Information rund um das Thema Klimaschutz, mit Flyer und Plakate, und andere Materialien (z.B. Klimakoffer) die teilweise mitgenommen oder ausgeliehen werden konnten
  • Wildpflanzen in kommunalen Flächen gesät und gepflegt (und kommuniziert, dass diese Bepflanzungen kein Unkraut war) sogar mit der Unterstützung der Stadtverwaltung, welche Hydranten für die Bewässerung in den heißen Tagen zur Verfügung stellte
  • Räume für Treffen von Vereinen zur Verfügung gestellt
  • durch eine Spende des ADAC stand ein Lastenfahrrad (KLARA, das Lastenrad) allen Mitgliedern gegen einen kleinen Obolus parat – Pionierarbeit im Bereich der umweltfreundlichen Mobilität
  • die „Oase Unperfekt“, einen interkulturellen Gemeinschaftsgarten, der seit 2015 bis heute engagierte Menschen die Möglichkeit bietet, für eine kleine Pacht, Gemüse und andere Pflanzen anzubauen
  • Aktionen in den Stadtteilen, wie ein quartierbezogenes Begrünungsprojekt oder der
  • Klimacampus (2017-2029) in Eppinghofen
  • in Winter Begehungen mit Thermokameras für private Haushalte in Zusammenarbeit mit Energieberater:innen der Stadt angeboten
  • Zusammenarbeit mit Mülheimer Schulen, die kontinuierlich seit 2016 sich die UN-Dekade „Bildung für Nachhaltigkeit“ in dem Bildungsnetzwerk „Nachhaltig Leben Macht Schule“ angeschlossen haben. Das Bildungsnetzwerk ist aktiv und hat letztes Jahr erneut eine Auszeichnung als „Netzwerk der Zukunft“ bekommen
  • ein „E-Check“, um kleine Läden und Unternehmen bei der Einsparung von Energie zu unterstützen
  •  2020 einen Bienen-Lehrpfad in Eppinghofen gelegt, an den mit verschiedenen Stationen Information über die richtige Bepflanzung für Insekten einfach und in klare Sprache dargestellt wurde, inklusive Holzkasten, welcher als Insekten-Hotels dient
  • Angeboten ein „KulTÜRchen“ im Advent zu sein, mit der Möglichkeit etwas Interaktives im Ladenlokal zu erleben

Ein sehr sichtbares Projekt, dass den früher in der Innenstadt organisierten Umweltmarkt ersetzt hatte, war die „fair flair“ an Christi Himmelfahrt. In den Ruhranlagen im Grünen könnte man sich einen Tag lang über Vereinsarbeit informieren, bei Aktionen um Klimaschutz-Themen wie Abfalltrennung oder Wasserschutz mit der gesamten Familie mitmachen, mehr über umweltfreundliche Dienstleistungen erfahren und natürlich Bio-Produkte aller Art kaufen und schlemmen. Auf einer Bühne fand dazu immer Programm dazu statt mit musikalischer Untermalung und Übergabe von Preisen. Die „fair flair“ wurde in 2014, 2016 und 2018 organisiert. Die Planung der 2020 Edition wurde durch die COVID-19-Pandemie gestoppt und es konnte nicht erneut angeboten werden. Um die 2020 interessierten Teilnehmer:innen nicht komplett zu verlieren, wurde die „fair flair“ als digitale Variante auf der Webseite des MIKs aufgebaut.

Eine der Übergabe, die bei der „fair flair“ statt fand war die Auszeichnung der ÖKOPROFIT®-Betriebe. Der MIK e.V. hat einen Sitz in den ÖKOPROFIT®-Beirat in Mülheim an der Ruhr (2003 – 2018). Dieses Netzwerkarbeit machte es möglich, die Projekten und Unterstützung des Vereins auch an den Unternehmen näher zu bringen. So wurden zahlreiche „Dicke-Pulli-Tage“ in verschiedenen Unternehmen und Organisationen mitgestaltet oder Beratung bei dem Umgestalten von betrieblichen grünen Flächen durchgeführt. Gute Beispiele aus dem Unternehmen wurden auch anderen Menschen vorgestellt.

Ein besonderes Projekt, das bis heute sehr beliebt ist, ist „Mach Dein Ding!“. Seit 2018 gibt es dieses Format und damit können Ideen von engagierten Menschen und Organisationen unterstützt werden. Dank der Spenden von verschiedenen Institutionen (2018 von der Sparkasse Mülheim an der Ruhr, 2020 vom Lions Club Mülheim an der Ruhr, und seit 2021 von der Volksbank Rhein-Ruhr eG) konnten fast jedes Jahr zwischen 4 und 6 Projekte mit kleinen ökonomischen Beiträgen dadurch verwirklicht werden, welchevon seitens des MIKs zur Verfügung gestellt wurden.

Ein anderes Projekt, dass in Juli 2020 startete und ein Leuchtturm für der MIK-Aktivitäten geworden ist, sind die KlimaForen. Jedes KlimaForum war eine Plattform für Information, Austausch und Experten-Wissen-Weitergabe und wurden teilweise online bzw. in hybrid-Format in COVID-19-Zeiten durchgeführt – dank der Unterstützung der Fokus Mediaproduktion und dem Team um Jürgen Schardt. Die Themen der KlimaForen deckten alle mögliche Klima- und Umweltschutz-Bereiche ab:  

  • Nachhaltiger Alltag: „Buy Local“ (Juli 2020), nachhaltige Ernährung (Oktober 2020), Regionale Selbstversorgung (Februar 2021), Klima- und Umweltschutzaktivitäten der Stadt Mülheim an der Ruhr (Oktober 2022), Ressourcenschonung durch die „Leihbrary“(Februar 2023)
  • Politische Rahmenbedingungen: Pariser Klimaschutzabkommen im Rahmen der Europawahl (August 2021), Innovative Klimaschutzkonzepte (April 2023)
  • Natur & Umwelt: Pflanzen und Raumklima (September 2020), Klimafolgen (Oktober 2021), Biodiversität (Februar 2022), nachhaltige Gartengestaltung (März 2024)
  • Mobilität: Reisen ohne Fliegen (August 2025), E-Mobilität (Oktober 2025)
  • Energie: Stromerzeugung mit Photovoltaik (Juni 2021), Besichtigung der Windenergieanlage in MH-Styrum (Juni 2022, Juni 2025), Besichtigung der medl-Heizwerk (März 2025)
  • Wasser: Wasserspielraum (November 2020), Besichtigung des RWW-Wasserwerks (Juni 2023, Februar 2024, April 2025)
  • Nachhaltiges Bauen: Besichtigung des neuen gebauten WDL-Luftschiffhangars (Mai 2025), Stadtentwicklung in Lissabon (Oktober 2025)
  • BNE – Bildung für Nachhaltige Entwicklung: mit Vorstellung des Bildungsnetzwerks (April 2021)

Hartmut Kremer übernahm im Jahr 2016 die Leitung von Frau Dr. Susanne Dickel. In diesem Zuge verknüpfte er die Aktivitäten des Agenda-Büros mit denen des MIK und begleitete den gemeinsamen Umzug in das Ladenlokal am Löhberg 28. Im Juli 2019 übernahm Dipl.-Ing. Anke Schniewind die Geschäftsführung.

Mit ihrem breiten Netzwerk, ihrer Fachkompetenz und ihren vielfältigen Kontakten stellte sie ihre Erfahrung ganz in den Dienst des Vereins. Zahlreiche Aktionen wurden umgesetzt, das Ladenlokal entwickelte sich zu einem lebendigen Treffpunkt, und selbst in den herausfordernden Zeiten der COVID-19-Pandemie sowie nach dem Wegfall der städtischen Zuschüsse gelang es ihr, den Verein mit innovativen – teilweise digitalen – Lösungen handlungsfähig zu halten.

Einen entscheidenden Beitrag leistete dabei auch das Ehepaar Mavroudis. Mit seiner umfassenden Unterstützung, insbesondere bei der Betreuung der Webseite, trug es maßgeblich dazu bei, dass viele Vorhaben erfolgreich umgesetzt werden konnten.

Mit COVID-19 kam auch der Verlust des Ladenlokals, da die Miete zu viel Budget benötigt hatte. Nach einige Zeit ausschließlich online, kam durch die Unterstützung des Dezernats VI (Umwelt, Klima, bauen, Stadtplanung und Wirtschaftsförderung) erneut die Möglichkeit eine Anlaufstelle im Technischen Rathaus für alle Interessierten anzubieten: Erst beim Agendabüro und seit September 2024 bei #klima.an.der.Ruhr

Selbstverständlich waren an all diesen Aktivitäten zahlreiche Menschen beteiligt, die sich entweder ehrenamtlich oder als Mitarbeitende mit großem Engagement eingebracht haben. Ihnen gilt besonderer Dank, und sie sollen an dieser Stelle ausdrücklich genannt werden. Ob Vorstands- und Expertenbeirats-Mitglieder (zusätzlich zu den oben genannten): Peter Keil, Peter Meyer, Hans-Gerd Bachmann, Dr. Jürgen Zentgraf, Volker Weißhuhn, Dr. Natalia Balcazar, Prof. Dr.-Ing. Matthias Neef, Dr. Bernhard Leidinger, Prof. Dr. Viktor Grinewitschus, Prof. Dr. Marcus Rehm, Prof. Dr. Ferdi Schüth, Dr. Frank-Josef Schulte, Stadtmitarbeitenden (Cornelia Schwabe, Felix Blasch, Peter Vermeulen), Angestellten (u.a. Anika Füger, Uta Siemer, Susanne Gregel) oder ehrenamtlich Tätigen (exemplarisch: Ehepaar Labisch, Werner Helmich, Michael Cremer, Uwe Siepmann, Armin Hardes, Dr. Claus Kogelheide, Johannes Dabringhausen, Harald Tittmann, Sabine Fröber, Thomas Hagemann, Hajo Fleig, Steffi Horn, Beatrix Reißland-Degen, Elke Brandt, Holger Zwirner, Ramon Steggink, Dennis und Hartmut Buhren).

Wir können leider hier nicht alle der ca. 100 Mitglieder namentlich nennen, die zuletzt durch deren Beiträge den Verein gehalten haben – aber wir sagen auf jeden Fall DANKE!

Und was bleibt?

Einige von den vorgestellten Projekten werden durch die Stadt übernommen und weiter angeboten. In Gespräch stehen „Oase Unperfekt“, „Mach Dein Ding!“ und weiterhin Unterstützung für das Bildungsnetzwerk „Nachhaltig Leben Macht Schule“. Wir hoffen sehr, dass hier eine Kontinuität gewährleistet werden kann, nicht zuletzt weil die Stabstelle Klimaschutz eine so wichtige Rolle in Mülheims Klima-Leben spielt.

Und es bleibt ein stolzes Gefühl, 16 Jahre lang Mitglied in einen aktiven und mutigen Verein gewesen zu sein, der teilweise neue Wege ging und vieles in Mülheim an der Ruhr bewegt hat.

Auch wenn sich leider kein neuer Vorstand finden ließ, bleibt eine beeindruckende Bilanz: Die ursprüngliche Vision, „Menschen für den Klimaschutz zu begeistern, sie zu vernetzen und zum Mitmachen anzuregen“, wurde in beeindruckender Weise verwirklicht.

Dr. Natalia Balcazar
Vorstandsmitglied


Bildquelle: ©Mülheimer Initiative für Klimaschutz e.V.

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